Gottesdienstnachlese 17.01. – 2. Korinther 4, 6-10 – Es geht um Essenz nicht um Akzidenz

Denn Gott, der gesagt hat: „Aus Finsternis wird Licht leuchten!“, er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.

Elberfelder Übersetzung

 

Diese phantastische Stelle war Grundlage der Predigt im von uns besuchten Gottesdienst am letzten Sonntag. Hier eine kleine Betrachtung, da Zeit derzeit noch etwas Mangelware ist. Eine Besprechung bezüglich anderer Bibelübersetzungen auch dieser Stelle wird hoffentlich in unserem ersten Podcast im März stattfinden.

Vers 6

Paulus startet in dieser Passage gleich mit einer Bekräftigung der Gottheit Christi, deren Erkenntnis in uns durch Gott selbst geschaffen wurde. Dazu bekennt sich, mit allen Christen aller Zeiten, auch die lutherische Lehre – Christus war und ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Und sie bekennt auch, dass es Gott ist, wie Paulus schreibt, der diese Erkenntnis in uns hervorgebracht hat – im alten Wortsinn Monergismus, also: Gott allein schafft das Wollen und das Vollbringen, wie von uns z.B. schon hier besprochen.

Vers 7

In der Bibelübersetzung „Neues Leben“ wird in Vers 6 eher der erkennende Mensch betont, doch genau anders redet Paulus und geht noch weiter: diese Zeitalter und Wirklichkeitsgefüge durchbrechende Wahrheit ist in uns als irdenen – also aus Erde, aus Lehm gemachten, zerbrechlichen – Gefäßen offenbart worden. Er bestätigt die bis zum Tod bleibende Vergänglichkeit und Fehlerhaftigkeit unserer Selbst wobei gleichzeitig die Wahrheit über Christus und seinen Tod und seine Auferstehung auch in uns leben und ebenso tatsächliche, ja leibliche Konsequenzen haben – nämlich das Wachsen des neuen Menschens in uns und die Auferstehung unseres Körpers durch und in der Auferstehung Christi. Hier spiegeln sich Lehren lutherischer (man sieht: eben christlicher) Theologie wieder: das simul iustus et peccator, die unio mystica, ja, auch die Taufwiedergeburt. Um es mit den Worten eines befreundeten Pfarrers aus dem Neujahrsgottesdienst am 1. Januar zu sagen: Die Taufe ist der Tod unseres alten, von Gott getrennten Menschen. Das ist nicht symbolisch sondern als tatsächlich anzusehen. In der Taufe wird auch der neue, von Gott geheiligte Mensch geschaffen, der in der Vereinigung mit Christus, die in der Taufe stattfindet (Kol 2,12; Röm 6, 4-5) nun lebt. Beide aber – die alte und die neue Kreatur – leben noch in uns bis, in unserm Tod, das Alte endgültig mit uns stirbt und wir – durch die Kraft der Auferstehung Christi selbst von ihm bei seinem Wiederkommen auferweckt werden (2. Kor. 4,14). Wer will Christus daran hindern aufzuerstehen? Und er lebt in uns!

Vers 8-10

Und auch hier drückt Paulus es aus: die Leiden unseres Lebens, besonders die Verfolgungen um Christi Willen, sind das Sterben des alten Menschen, das bis zu unserem Tod nicht abgeschlossen sein wird, das uns unser ganzes Leben begleitet. Doch in diesem Sterben und im Wirken Christi in uns wird sein Leben an uns offenbar, das bis in die neue Schöpfung, über unseren Tod hinaus reicht. Das – die „geheimnisvolle Vereinigung“ – hat in der Taufe seinen Anfang genommen und lebt nun in uns fort und ist auch untrennbar mit dem Abendmahl verbunden, in dem – laut Christ Versprechen – er sich uns leiblich schenkt. Er wohnt in uns und wirkt unsere Heiligung, nämlich, dass wir das Gute nun lieben können und uns vom Bösen, dass doch so fest mit unserer alten Natur verwurzelt ist, mehr und mehr abwenden können.

Als tiefergehende „Lektüre“ empfiehlt sich Pastor Coopers langer und inhaltsreicher Vortrag zu dem Thema.

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