Ein Feste Burg … das war doch dieses Kriegsding, oder?

Der Wochenspruch für den 6. Sonntag nach Trinitatis steht bei Jes 43: Gott spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

Gottes Zusage steht allen Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, sicher und fest entgegen. Sie gilt nicht insofern, dass Gott diese aus dem Weg räumen oder uns Macht und Gewalt über die Bedrohungen geben würde, sondern die Bedrohungen können uns, blicken wir auf Christus als unsern Herrn und Heiland, nichts anhaben. Diese Sicht vermittelt uns die Entstehungsgeschichte eines der bekanntesten Lieder Luthers. Angesichts des Ausbaus der Wittenberger Stadtbefestigung schrieb er das Lied „Ein feste Burg“. Allerdings nicht, um die Kriegsmaschienerie voranzutreiben, sondern mit einem ganz anderen Akzent:

„Wer sein religionem auff den wall fundiret, der hat religionem ubell Studiret.“ (WA TR 5, 232 [Nr. 5552])

Luther war betonte, der Krieg wird nicht mit Festungen oder Kriegsgerät geführt, wie es die Fürsten seiner Zeit taten, sondern im Glauben und Gebet.(ebd.). Diese Einsicht vermittelt das Lied, das nicht zu Gewalttaten aufruft, wie es dann später interpretiert wurde (Bezeichnung als  „Marseiller Hymne der Reformation durch Heine), sondern im Gegenteil: Still und sicher warten wir auf das rettende Handeln Gottes, auch wenn uns Besitz, Ehre, ja unsere Lieben oder das eigene Leben genommen werden, fürchten wir uns nicht, wir wissen ja, dass wir schon zu Gott gehören, weil wir von ihm gerufen und erlöst sind:

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er’s jetzt meint,
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn
und kein’ Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan
mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin,
sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muss uns doch bleiben.

 

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