Der Gegensatz von Glauben und Verstand – ist eine persönliche Glaubensfrage – Prof. Künneth

Sodann gilt es zu bedenken, dass die bis heute fortgepflanzte Meinung, der Verstand stünde im Widerstreit mit dem christlichen Glauben, einen grundsätzlichen Irrtum darstellt. Vermag es schon an und für sich keine voraussetzungslose Wissenschaft zu geben, so besteht erst recht niemals eine Voraussetzungslosigkeit gegenüber historisch geistigen Tatbeständen. Auch die rationalistische Betrachtungsweise lebt von ganz bestimmten Prämissen. Ihre grundlegende Voraussetzung besteht in dem Urteil: Existenz besitzt nur das, was in den Kategorien des Verstandes erfasst werden kann. Dieses aller wissenschaftlichen Untersuchungen vorrausgegebenen Urteil aber ist nicht ein Forschungsergebnis der Wissenschaft sondern eine Behauptung der Weltanschauung, ein Glaubensurteil. In diesem negativen Urteil einer vorwissenschaftlichen Gläubigkeit vollzieht sich demnach die erste Entscheidung, die richtunggebend für die nachfolgende wissenschaftliche Betrachtung und Forschungsmethode ist.

Walther Künneth, „Der große Abfall – eine geschichtstheologische Untersuchung der Begegnung zwischen Nationalsozialismus und Christentum“ 1947, S. 29

Ein schöner Hinweis von Prof. Künneth an einem Tag der Schreibblockade. Es bleibt auf die zwei wohl wichtigsten Grundlagen klaren Denkens hinzuweisen: „Daten und Interpretation sind strikt auseinanderzuhalten.“ und „Sei Dir deiner eigenen axiomatischen Prämissen bewusst.“

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