Kurze Rekapitulierung: Rechtfertigung aus Glauben

Nach der Wahl des neuen VELKD-Bischofs hat selbiger die Themen „Freiheit“ und „Rechtfertigung“ zu wichtigen Begriffen dessen, was das Luthertum ausmache, erkoren. Deshalb heute nochmal ein Blick ins Bekenntnis, wie das mit der  Rechtfertigung aus Glauben eigentlich so war (FC SD III):

Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott glauben, lehren und bekennen wir einhellig vermöge hievorgesetzten summarischen Begriffs unsers christlichen Glaubens und Bekenntnisses, daß ein armer sündiger Mensch vor Gott gerechtfertigt, das ist, absolviert, los und ledig gesprochen werde von aIlen seinen Sünden und von dem Urteil der wohlverdienten Verdammnis, auch angenommen werde zur Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens, ohne einig unser Verdienst oder Würdigkeit, auch ohne aIle vor[her]gehenden, gegenwärtigen oder auch folgenden Werke, aus lauter Gnade, allein um des einigen Verdienstes, des ganzen Gehorsams, bitteren Leidens, Sterbens und Auferstehung unsers Hern Christi willen, des Gehorsam uns zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Welche Güter uns in der Verheißung des heiligen Evangelii durch den Heiligen Geist vorgetragen werden, und ist allein der Glaube das einige Mittel, dadurch wir sie ergreifen, annehmen und uns applizieren und zueignen; welcher ist eine Gabe Gottes, dadurch wir Christum, unsern Erlöser, im Wort des Evangelii recht erkennen und auf ihn vertrauen, daß wir allein um seines Gehorsams wiIlen, aus Gnaden, Vergebung der Sünden haben, für fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten und ewig selig werden. Demnach wird für ein und dasselbe gehalten und genommen, wenn Paulus spricht, daß wir „durch den Glauben gerecht werden“, Röm. 3, oder daß „der Glaube uns zur Gerechtigkeit zugerechnet werde“, Röm. 4, und wenn er spricht, „daß wir durch des einigen Mittlers Christi Gehorsam gerecht werden“, oder „daß durch eines Gerechtfertigkeit die Rechtfertigung des Glaubens [Lebens] über aIle Menschen komme“, Röm. 5.

Denn der Glaube macht gerecht nicht darum und daher, daß er so ein gut Werk und schöne Tugend [ist], sondern weil er in der Verheißung des heiligen Evangelii [das] Verdienst Christi ergreift und annimmt; denn [dasselbe] muß uns durch den Glauben appliziert und zugeeignet werden, wenn wir dadurch gerecht sollen werden; daß also die Gerechtigkeit, die vor Gott dem Glauben oder den Gläubigen aus lauter Gnade zugerechnet wird, ist der Gehorsam, Leiden und Auferstehung Christi, da er für uns dem Gesetzgenuggetan und für unsere Sünde bezahlt hat.

Denn weil Christus nicht allein Mensch, sondern Gott und Mensch in einer unzertrennten Person [ist], so ist er ebensowenig unter dem Gesetzgewesen (weil er ein Her des Gesetzes), als daß er für seine Person [hat] leiden und sterben soIlen. Darum uns denn sein Gehorsam nicht allein im Leiden und Sterben, sondern auch daß er freiwiIlig an unserer Statt [sich] unter das Gesetzgetan und dasselbe mit solchem Gehorsam erfüllt [hat], uns zur Gerechtigkeit zugerechnet [wird], daß uns Gott um solches ganzen Gehorsams wiIlen, so er im Tun und Leiden, im Leben und Sterben für uns seinem himmlischen Vater geleistet, die Sünde vergibt, uns für fromm und gerecht hält und ewig selig macht. Solche Gerechtigkeit wird durchs Evangelium und in den Sakramenten von dem Heiligen Geist uns vorgetragen und durch den Glauben appliziert, zugeeignet und angenommen, daher die Gläubigen haben Versöhnung mit Gott, Vergebung der Sünden, Gottes Gnade, die Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens.

Demnach das Wort „rechtfertigen“ hier heist gerecht und ledig von Sünden sprechen und derselben ewigen Strafe ledig zählen um der Gerechtigkeit Christi willen, welche von Gott dem Glauben zugerechnet wird, Phil. 3. Wie denn solcher Gebrauch und Verstand dieses Worts in Heiliger Schrift Alten und Neuen Testaments gemein ist. Prov. 17: „Wer den Gottlosen recht spricht und den Gerechten verdammet, die sind beide dem Hern ein Greül.“ Jes. 5: „Wehe denen, die den Gottlosen recht sprechen um Geschenke wollen und das Recht der Gerechten von ihnen wenden.“ Röm. 8: „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der rechtfertigt“, das ist, von Sünden absolviert und ledig spricht.

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