Nicht „semper reformanda“ sondern „Solus Christus“. Warum die Kirche im lutherischen Sinn die allgemeine (katholische), welt- und zeitumspannende Kirche ist.

Wie wir bereits in unserem ersten Beitrag anmahnten, gehört der gern genutzte Ausspruch „ecclesia semper reformanda“ nicht in die lutherische Kirche. Stattdessen ist der Blickwinkel ein anderer. Die Aufgabe der Kirche ist es, ihren Herrn zu suchen. Weder hat sie immer nur vorwärts, noch immer nur zurück zu schauen. Sie muss beides tun; jeweils in Korrektur das Eine oder Andere, da, wo der falsche Weg eingeschlagen ist. Die lutherische Konfession, d.h. übersetzt, das lutherische Bekenntnis, richtet sich nicht gegen irgend etwas, sondern immer hin zu Christus, und erst dadurch grenzt es sich von anderen Überzeugungen ab.

Dabei kommt Kirche einerseits selbst nicht zum Ziel: Unser Glaube ist nicht ein Sein, sondern ein Werden (Luther). Es kann also nie richtig gut sein. Die Kirche bleibt fehltbar, und damit enttäuschend und anstrengend. Sie kann sich aber deshalb dennoch nicht der Illusion hingeben, ihr Heil in festen Konstitutionen dieser Welt oder in Ordnungen, die Menschen gemacht haben zu suchen. Ihr Fluchtpunkt bleibt Christus, wie sie ihn in der Schrift, ausgelegt durch die Bekenntnisse, kennenlernt, wie er sich dort (wieder)entdecken lässt – Christus der war, der ist und der da kommt.

Andererseits ist die Kirche schon am Ziel: Die Fehlbarkeit der Gläubigen wird die Kirche in ihrem Kirche-sein, als eine, heilige und allgemeine Kirche, in der das Evangelium gepredigt und die Sakramente laut ihrer Einsetzung gereicht werden, nicht beeinträchtigen (CA 7 & 8). Die Kirche lebt ausschließlich als Gemeinschaft, die unter dem Haupt Christi steht, sie kann nicht anders oder besser erhalten werden (Schmalkaldische Artikel, Zweiter Teil, IV Vom Papstum).

Die Kirche richtet den Blick von mir weg auf Christus hin. Sie fragt nicht nach mir und meinem Handeln, sondern spricht von Christus und dem, was er für uns tut*. „Denn weder du noch ich könnten [je] etwas von Christus wissen oder an ihn glauben und [ihn] zum Hern bekommen, wo es nicht durch die Predigt des Evangelium von dem Heiligen Geist angetragen und uns ins Herz geschenkt würde“. (Großer Katechismus) Das Evangelium aber predigt kein Mensch rein, sondern „Gott hat das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakramente gegeben, dadurch er den Heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wann er will, in denen, welche das Evangelium hören, wirkt.“ Das bedeutet, dass wir durch Christus‘ Verdienst, nicht durch unseren Verdienst, einen gnädigen Gott haben, wenn wir solches glauben (CA 5). 

Schließen wir mit den Worten des Kleinen Katechismus zur Kirche, um noch einmal daran zu erinnern, dass Menschen die Kirche weder erschaffen noch bedingen. Der Herr der Kirche, Christus, führt seine Kirche durch die Zeiten und ruft selbst die Menschen:

Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft oder Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; wie er auch die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewißlich wahr.

Kleiner Katechismus

* Das heißt vor allem ich als handelndes als wirkmächtiges Subjekt stehe nicht mehr im Zentrum, sondern Christus ist der einzig wahrhaft Handelnde. Er ist der Herr von Gesetz und Evangelium zugleich. Mein Handeln zeigt mir entweder im Spiegel des Gesetzes auf, dass ich Sünder bin, um mich zu Christus und seiner Rettung zu treiben (2. Brauch des Gesetzes), oder aber es steht dankend ganz im Willen dieses Herrn und wird von seinem Willen bestimmt (3. Brauch). Dabei aber, und das ist sehr wichtig, verliert es den 2. Brauch nicht, denn des Evangeliums und der Sündenvergebung bedarf auch der Christ jeden Tag und darf sich ihrer erfreuen.

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