Semper reformanda: Nö, lieber nicht! oder Die banale Alltäglichkeit der Rettung der Kirche

Warum der Ausspruch „ecclesia semper reformanda“ weder aus der Reformationszeit stammt, noch lutherisch ist, das haben wir bereits mehrfach aufgegriffen (vor allem hier und hier). Doch wollen wir uns dem Thema heute noch einmal widmen, noch einmal aus einer anderen Perspektive, nämlich der Valentin Ernst Löschers. Vier Punkte nennt er, wie eine Kirchenreform durchzuführen sei,

Martins Schatzkiste. Buchbesprechung: Martin Chemnitz, Handbuch der christlichen Lehre

Heute möchten wir ein Buchprojekt vorstellen, welches als Band 1 einer Reihe „lutherischer Klassiker“ Hoffnung weckt auf kommende Neuverfügbarmachung von Schätzen aus der Geschichte der Lutherischen Kirche. Das Handbuch, ursprünglich von Martin Chemnitz für die Pfarrerausbildung in Braunschweig zum Ende des 16. Jh. verfasst, wurde in heutiges Deutsch übertragen. Es behandelt in Frage-Antwort-Schema die zentralen

Replik Teil 1 – C. S. Lewis ist die Birne zu Bonhoeffers Apfel?

Anmerkung d. Redaktion, 17.02.2019: Wir haben im Beitrag nach der Veröffentlichung einige Passagen geändert. Diese sind durch Einfügung eckiger Klammern gekennzeichnet. Unser letzter Beitrag hat bei Facebook im Kommentarbereich unserer Seite einige Anfragen erhalten, auf die wir nochmal genauer eingehen wollen. Nur zur Erinnerung: Wir behaupten nicht, allgemeine Aussagen über Bonhoeffer zu treffen, sondern beschränken

Dietrich und Clive – eine Einordnung von Bonhoeffers Gedanken zu „religionslosem Christentum“ als Anfechtung, nicht Prophetie

Ich fand im Bücherschrank eines nahen Verwandten kürzlich eine Ausgabe von „Widerstand und Ergebung“, einem Band, der späte Briefe Dietrich Bonhoeffers sammelt. Sofort wollte ich nach jenem Brief suchen, in dem er von einem „religionslosen Christentum“  spricht, um zu sehen, was Bonhoeffer dort wirklich sagt. Hier folgen nun ein paar Betrachtungen, die sich ausschließlich auf

Mit Spekulatius auf der Ofenbank – Johann Matthes‘ genussvoll gedichtete Zeilen

Heute werden wir besinnlich. Und lyrisch. Und wünschen eine gesegnete Weihnachtszeit mit Ratschlägen (nicht nur) fürs neue Jahr. „Bereitet dem Herrn den Weg!“ lautet ein Ausschnitt aus dem Wochenspruch für den dritten Advent. Wie soll dieser Weg bereitet werden? – Bete, lies fleißig, meditiere! So ruft es uns Johann Matthes zu. Neben vielen anderen Dingen

Das Land liberal, die Stadt evangelikal, und wo darf ich lutherisch sein?- eine Studie der zwei Strukturpapiere der EvLkS

Wir haben nun schon ein paarmal darüber geschrieben, was Kirche im Lutherischen Verständnis ist. Vor allem über den 7. Artikel des Augsburger Bekenntnis, der nicht der einzige, aber der zentralste der Artikel ist, die sich in diesem Bekenntnis mit der Kirche befassen. Das Ganze ist natürlich nicht nur ein abstraktes Unterfangen. Kirche ist ja auch

Das Verständnis der Kirche als Institution und das lutherische Kirchenverständnis

Ist von Christen die Rede, ist schnell auch von Kirche die Rede. Dass dieser Begriff keineswegs eindeutig ist, wird allerdings schnell deutlich: Außenstehende meinen, wenn sie von Kirche reden, immer die römisch-katholische Kirche, die die Kreuzzüge gemacht habe. Die EKD hat „Kirche“ im Namen, ist aber gar keine, sondern ein Bund von Kirchen. Was glaubt

Also das mit Gesetz und Evangelium … das haben nicht wir uns ausgedacht … oder, Herr Chemnitz?

Martin Chemnitz erläutert die hochaktuelle Frage, warum man denn die Gute Nachricht nicht einfach ohne das ganze Ding mit der Sünde predigen kann – und das schon vor knapp 450 Jahren. Manche Themen sind wohl doch irgendwie nicht erst in den 1960ern entstanden … *grübel*. Lies hier: Soll man auch die Gesetze der Zehn Gebote

Gottesdienstvorbereitung – 11. Sonntag nach Trinitatis: Sünde ist dann doch schon auch zentral, ne?

Der Predigttext (nach der neuen Ordnung) steht bei Gal. 2: 6 Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes;

Zitat Das Predigtamt in der lutherischen Kirche – rechtlich

[Eine] Kirchenverfassung, die auf dem Boden des A[ugsburger] B[ekenntnisses] stehen will, [kann] die besondere Stellung des Predigtamtes nicht ignorieren. Den weitgehenden Demokratisierungsbestrebungen, die in der Gegenwart das kirchliche Verfassungsleben bewegen, ist in Kirchen, die lutherisch bleiben wollen, hier eine Grenze gezogen. Man kann das geistliche Amt vielleicht in manchen Stücken modernisieren und dem heute herrschenden Gleichheitsstreben anpassen. Aber in seinem Kern kann es nicht beseitigt werden. Eine Kirche, die es durch die Demokratisierugswelle wegspülen ließe, hätte aufgehört, eine lutherische Kirche zu sein.

Hans Liermann, Die rechtliche Bedeutung der Bekenntnisschriften, 1969, in Bezugnahme auf CA 5.

Anmerkung zum Hintergrund: Die lutherischen Kirche glaubt (d.h sieht als biblisch und schriftgemäß an), dass man mit der Ordination in ein besonderes geistliches, von Christus gestiftetes Amt eingesetzt worden ist. Durch dieses Amt hat der Ordinierte das Recht, in der Autorität Christi dessen Wort zu verkünden und die Sakramente (Taufe, Abendmahl, Absolution – also Sündenvergebung im Namen Gottes) zu verwalten. Siehe hierzu z.B.: Melanchton in der Apologie (Verteidigung) der Augsburger Konfession Punkt 13:

„Durch das Sakrament des Ordens oder Priesterschaft verstehen die Widersacher nicht das Predigtamt und das Amt, die Sakramente zu reichen und außuteilen, sondern verstehen [es] von Preistern, die zu opfern geordnet seien. Gleich als müsse im Neün Testament ein Priestertum sein, wie das levitische Priestertum gewesen, da die Priester für das Volk opfern und den andern Vergebung der Sünden erlangen. Wir aber lehren, daß das einige Opfer Christi am Kreuze genuggetan hat für aller Welt Sünden, und daß wir nicht eines andern Opfers für die Sünden bedürfen. Denn wir haben im Neün Testament nicht ein solch Priestertum, wie das levitische Priestertum war, wie die Epistel zu den Hebräern lehrt. Wo man aber das Sakrament des Ordens wollte nennen ein Sakrament von dem Predigtamt und Evangelio, so hätte es keine Beschwerung, die Ordination ein Sakrament zu nennen. Denn das Predigtamt hat Gott eingesetzt und geboten und hat herrliche Zusage Gottes, Röm. 1: „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen denjenigen, so daran glauben“ usw., Jes. 55: „Das Wort, das aus meinem Munde gehet, soll nicht wieder leer zu mir kommen, sondern tun, was mir gefällt.“ Wenn man das Sakrament des Ordens also verstehen wollte, so möchte man auch das Auflegen der Hände ein Sakrament nennen. Denn die Kirche hat Gottes Befehl, daß sie soll Prediger und Diakonos bestellen.“