Was bedeutet eigentlich Buße? Anmerkungen anlässlich des gleichnamigen Feiertags

Am Mittwoch war Buß- und Bettag. Dieser Feiertag ist wohl einer der seltsamsten Feiertage der Bundesrepublik. Zudem gilt er als arbeitsfreier Feiertag nur noch in Sachsen, wo man als Arbeitnehmer sogar extra dafür bezahlt (obwohl das bei anderen zusätzlichen Feiertagen anderer Bundesländer nicht der Fall ist). Da lässt sich nur schlussfolgern: Buße tun muss man hier sogar für die Existenz des Tages selber. Und das beschreibt schon die Wahrnehmung: Irgendwie soll man daran denken, und dafür auf die ein- oder andere Weise „bezahlen“ (Bußgeld o.ä. Sachleistungen), was man so falsch gemacht hat. Was man da eigentlich soll, das schien nicht mal die social-media-Abteilung der sächsischen Landeskirche zu wissen: Auf Twitter blieb sie stumm; auf Facebook schrieb sie schmallippig davon, dass „der Feiertag mit Buße und schlechtem Gewissen verbunden [sei und] ebenso für Neuanfang, Vergebung und Zuwendung [stehe].“ Außerdem solle er „Anlass zur Reflexion des eigenen Handelns sein und dazu ermutigen, neue Wege im Leben einzuschlagen.“ Wenn es je Pläne gegeben hat, den Feiertag als arbeitsfreien Tag abzuschaffen – die gute und solide Öffentlichkeitsarbeit der sächsischen Landeskirche hat sie im Keim erstickt.

Also, Buß- und Bettag, was soll der denn? Historisch sind die (es gab einmal drei, die mit der Passion zu tun hatten, oder diverse Sondergedenktage, wie den Brandtag der Bremischen Landeskirche bezüglich einer Feuersbrunst in Stade) ist so ein Tag an besondere Ereignisse gebunden und doch auch lediglich die besondere Erinnerung an eine Haltung, die im Alltag zu zeigen ist – genauso wie Ostern nur einmal im Jahr ist, aber die Auferstehung unseres Herrn jeden unserer Tage begleitet. Deswegen verträgt sich der jährliche Bußtag gut mit der Forderung „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Buße“ usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, daß das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Worum es bei der Buße geht, das bringt unser Bekenntnis auf den Punkt:

Von der Buße wird gelehrt, daß diejenigen, so nach der Taufe gesündigt haben, zu aller Zeit, so sie zur Buße kommen, mögen Vergebung der Sünden erlangen, und ihnen die Absolution von der Kirche nicht soll verweigert werden; und ist wahre rechte Buße eigentlich Reu und Leid oder Schrecken haben über die Sünde, und doch daneben glauben an das Evangelium und Absolution, daß die Sünden vergeben und durch Christus Gnade erworben sei; welcher Glaube wiederum das Herz tröstet und zufrieden macht. Darnach soll auch Besserung folgen, und daß man die Sünden lasse; denn dies sollen die Früchte der Buße sein, wie Johannes spricht Matth. 3,8: „Wirket rechtschaffene Früchte der Buße.“

Also Buße, das ist notwendig, aber sicherlich kann ich, wenn ich nur will, es vermeiden, überhaupt zu sündigen (das ist doch diese christliche Vollkommenheit von der Herr Wesley sprach, oder)?

Hier werden verworfen die, so lehren, daß diejenigen, so einmal sind fromm gewesen, nicht wieder fallen mögen.

Dagegen werden auch verdammt die Novatianer, welcher die Absolution denen, so nach der Taufe gesündigt hatten, verweigerten.

Auch werden die verworfen, so nicht lehren, daß man durch Glauben Vergebung der Sünden erlange, sondern durch unser Genugtun.

An dieser Stelle merkt man, wie wichtig auch die Verwerfungen der Bekenntnissschriften sind. Um zu sagen, was ich glaube, ist es auch notwendig, zu sagen, was ich nicht glaube: Dass ein sündloses Leben möglich ist, ist nicht christliche Lehre. Genausowenig, wie die Ablehnung sündiger Menschen (weil alle Sünder sind). Genausowenig, wie die Idee, wir könnten durch unser Handeln, durch Bußleistungen, etwas bewirken:

Die Lehre von der Buße ist vom Papst und den Seinen ganz gefälscht und verderbt worden. Denn so lehren sie: Sünde werde vergeben um unserer eigenen Werke willen; und hängen dies dran, man solle dennoch zweifeln, ob die Sünden vergeben sind. Dazu lehren sie nicht, daß um Christus’ willen die Sünde ohne Verdienst vergeben, und solche Vergebung der Sünden durch den Glauben an Christum erlangt werde. Mit solcher Lehre nehmen sie Christo seine Ehre und berauben die Gewissen des rechten und gewissen Trostes und tun ab die rechten Gottesdienste, nämlich die Übung des Glaubens, welcher mit dem Unglauben und Verzweiflung über der Verheißung des Evangelii kämpft.

Dies, in den Schmalkaldischen Artikeln geschrieben, hätten sich ruhig auch die Vertreter der EKD zu Gemüt führen können, ging es ihnen doch v.a. ums Tun. Jeder kann, und deshalb muss jeder die Welt zu einem besseren Ort machen. Klar, das ist nett. Aber Buß- und Bettag ist kein Tag der Ethik. Es ist ein Tag des Evangeliums:

das Evangelium sei eine Predigt von der Buße und Vergebung der Sünden.

Was die Konkordienformel (Epitome V) hier schreibt, meint: Buße ist Evangelium! Predigt der Buße ist Verkündigung einer guten Nachricht. Denn sie spricht von Vergebung, Absolution, die fest stehen und unzweifelhaft sind. Nicht etwa, weil wir besonders gut büßen könnten, sondern, weil Christus das getan hat. Und wenn uns Christus Vergebung und Absolution erworben hat, dann ist das etwas Gewisses, weil wir uns eben nicht fragen müssen, ob wir jetzt diesen Krieg heute wirklich beendet haben, oder ob wir’s nur verschlimmbessert haben. Aus diesem Grund lohnt sich die Buße, lohnt sich Beichte, in der die Buße geübt und die Absolution zugesprochen und empfangen wird. Buße als Um- und Abkehr ist die Zuwendung, weg von uns und unserem Leben hin zu Christus am Kreuz, ist Vertrauen darauf, dass er schon für uns alles getan hat.

Folgerichtig folgt auf den Bußtag der Ewigkeitstag. Am Sonntag geht der Blick weit hinaus. Einmal von mir ab- und Christus zugewendet, gibt es keine Schranke mehr. „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ Während wir hier unser ganzes Leben lang Buße tun, immer wieder den Blick auf Christus richten und uns in ihm bergen, kommt die Ewigkeit, in der Vergehen, Leid und Buße keinen Raum mehr haben werden.

 

One thought on “Was bedeutet eigentlich Buße? Anmerkungen anlässlich des gleichnamigen Feiertags

  1. Buße – dieser Begriff sollte aus der deutschen Sprache verbannt werden. Er ist alt, römisch schwer belastet und überholt.
    Gemeint ist Umdenken und damit Lebensänderung.

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