Kontörtchen. Schmackhafte schmale Stücke aus der Konkordienformel, heute im Angebot: Jesus-Torte

In der Serie „Kontörtchen“ präsentieren wir Ausgewähltes aus der Konkordienformel. Heute soll es uns um die Lehre von Christus gehen.

Im 12. Punkt des Artikels der Konkordienformel zur Lehre von Christus wird auf das Abendmahl eingegangen, genauer: Auf die Realpräsenz: Dass Christi Leib und Blut tatsächlich im Abendmahl gegenwärtig ist. Das ist ja ein alter Streit mit den Reformierten (und vielen heutigen Freikirchen): Muss man das nicht alles symbolisch verstehen? Die Konkordienformel ist nicht dieser Ansicht, wie wir bereits ausgeführt haben. Begründet wird dieses Abendmahlsverständnis hier im 12. Punkt mit der Lehre von Christus, genauer, mit der Lehre von der Allgegenwart der menschlichen Person Christi: „Er weiß jetzt nicht allein als Gott, sondern auch als Mensch alles, vermag alles, ist allen Kreaturen gegenwärtig […] wie er selbst zeugt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“; und St. Paulus: „Er ist über alle Himmel gefahren, auf daß er alles erfüllete“; welche seine Gewalt er allenthalben gegenwärtig üben kann, und ihm alles möglich und alles wissend ist, Phil. 2; Eph. 4.“

Die Konkordienformel behauptet also eine Allgegenwart der menschlichen Person Christi. Warum?

Es geht erstens darum, gewiss glauben zu können, dass unser Herr und Heiland Jesus Christus bei uns ist in allen Nöten und Gefahren. Er ist gegenwärtig, wie es Psalm 91 beschreibt: „Ich bin bei ihm in der Not. Ich will ihn heraußreißen.“ So ist er auch im Abendmahl wirklich gegenwärtig.

Es geht zweitens darum, zu erklären, dass nichts die beiden Naturen Christi (menschlich und göttlich) trennen kann, weder Raum noch Zeit. Wo immer der Sohn Gottes ist, da hat er seine heilige angenommene Menschheit untrennbar nah bei sich, sodass nichts zwischen sie kommen kann, was im Himmel und auf Erden ist.

Warum diese Ungetrenntheit wichtig ist?

Die Hauptaussage der Bekenntnisse (nicht nur der Konkordienformel, sondern auch der Altkirchlichen Bekenntnisse), lautet bezüglich der Lehre von Christus: In Christus sind Gottheit und Menschheit persölich vereinigt. Weder gab es zwei Christusse, noch einen bloßen Menschen, der Gutes getan hat, noch einen bloßen Gott, der sich als Mensch verkleidet hat.

Das heißt: Ein bloßer, perfekter Mensch, ein tolles Vorbild aus der Menschheitsgeschichte würde uns nichts weiter bringen, als uns vorzuhalten, dass wir Menschen nicht perfekt sind. Er wäre insofern ultimatives Gesetz. Aber uns wäre mit dieser Erkenntnis dann nicht geholfen. Wir müssten auf doppelte Weise verzweifeln: Einmal mit Blick auf das trostlose Schicksal des perfekten Menschen, zum anderen mit Blick auf unser trostloses Bemühen, ihm nachzueifern. Zumal ein Jesus, der nur Mensch war, nach Aussage des NT einen ziemlichen Größenwahn gehabt hätte. Bezeichnet er sich dort doch als Gott. Ein als Mensch verkleideter Gott wiederum würde uns nichts bringen. Er würde tun und lassen, wie ihm beliebt, wir wären eben nicht Kinder Gottes. Er hätte unsere Sünde nicht getragen, denn er wäre gar nicht erst von ihr versucht worden. Oder ganz einfach gesagt: Dann wäre Gott nicht zu uns gekommen. Wie sollten wir dann zu ihm kommen können?

Warum also ist die Untrennbarkeit der menschlichen und göttlichen Natur zu beachten? – Damit dann nicht doch auf einmal nur der Mensch Christus am Kreuz ist. Oder ausschließlich der Gott Chritus mein Fürsprecher bei Gott ist. Ist es notwenig (und schriftgemäß), dass Christus Mensch und Gott zugleich ist, dann ist es auch notwendig, dass dieses „zugleich“ immer gilt.

An diesem kleinen Stückchen aus der großen Torte der Christologie erkennt man: Die verschiedenen Abgrenzungen des Bekenntnisses (s.u.) beschreiben (nach dem Zeugnis der Schrift) das Verhältnis von Gott und Mensch. Sie mögen auf den ersten Blick schwierig und komplex wirken, ergeben sich aber, wenn man über alle Fragen nachdenkt, die mit dem biblischen Zeugnis einhergehen, fast von selbst. Das eine führt zum nächsten. Deshalb sind auch die Grenzsetzungen (Verwerfungen) so entscheident.

 

Schauen wir einmal nach, was in der Konkordienformel als falsche Lehre (weil der Bibel widersprechend) verworfen wird. Dazu haben wir ein paar Punkte ausgewählt und zusammengefasst, die uns zentral erscheinen. Den Rest kann man ja auch nachlesen.

Verworfen wird,

(a) dass Gott und Mensch zwei verschiedene Personen seien oder dass göttliche und menschliche Natur in ein Wesen vermischt und die menschliche Natur in die Gottheit verwandelt sei – Christus war kein Halbgott oder in besonderer Weise göttlich begabter Mensch

(b) dass Christus nur ein Mensch gewesen sei, oder dass Christus kein echter Mensch gewesen sei

(c) dass die Personeneinheit von Gott und Mensch nur eine Bezeichnung sei, weil Gottheit und Menschheit nichts miteinaner gemeinsam hätten

(d) dass es nur eine Wortschöpfung sei, zu sagen, dass der Sohn Gottes für die Sünde der Welt gestorben sei und allmächtig sei

(e) dass nur die Menschheit gelitten und uns erlöst habe, nicht aber die göttliche Natur

(f) dass Christus als Mensch nur ein eingeschränktes Wissen gehabt hatte

Aus diesen Verwerfungen lässt sich (ebenso wie aus den positiven Setzungen, s.u.), vieles schlussfolgern. Stichworte könnten zum Beispiel sein: Wer Christus nur als positives Vorbild darstellt, bei dem vor allem zu Fragen ist, wie er sich in bestimmten Situationen verhalten hätte, der geht am Kern vorbei. Er entgöttlicht Jesus. Oder: Wer Christus nur als Gott darstellt, der ganz fern von uns ist und unerreichbar, der entmenschlicht Jesus. Oder: Wer sagt, der Tod Jesu am Kreuz sei zwar ein Justizskandal, aber keine Sühne unserer Schuld, der missachtet den leidenden allmächtigen Gott am Kreuz. Oder: Christus hat für die ganze Menschheit gelitten, weder für eines der Völker nicht, noch nur für ein bestimmtes Volk. Sein Tod gilt allen Menschen. Aus der Christologie folgt damit, dass die Kirche nicht nationalistisch sein kann. Diese Liste liese sich weit fortsetzen.

 

Die genannten sechs Verwerfungen sind also hilfreiche Abgrenzungen: Wer hier widerspricht, der lehrt nicht gemäß der Schrift und des Bekenntnisses und widerspricht also dem christlichen Glauben. Natürlich kann die Wahrheit dieser Abgrenzungen nur im Glauben erkannt werden. Und natürlich sind wir als Menschen immer unserem irrenden Verstand ausgesetzt. Wo aber anders gelehrt wird, da soll man die entsprechenden Lehrer zurechtweisen: Erst sie persönlich, reagieren sie dann nicht darauf, dann ihre Vorgesetzten, und erst zuletzt, wenn es gar kein Einsehen gibt, mache man die Verfehlung der Öffentlichkeit, also der christlichen Gemeinde bekannt. So beschreibt es schon das Neue Testament, soll mit Fehlern in der Kirche umgegangen werden. Das gilt für die Christologie ebenso wie für jede andere Frage.

 

 

Anhang: Jetzt nochmal die ganze Torte für alle, die noch nicht satt sind.

Reine Lehre der Christlichem Kirche von der Person Christi (FC Epitome VIII. Von der Person Christi)

Es ist unsere Lehre, Glaube und Bekenntnis:

1. Dass die göttliche und menschliche Natur in Christus persönlich vereinigt sind, also daß nicht zwei Christus, einer Gottes, der andere des Menschen Sohn, sondern ein einziger Sohn Gottes und des Menschen Sohn sei (Luk. 1; Röm. 9).

2. Dass die götliche und menschliche Natur nicht in ein Wesen vermengt sind und keine in die andere verwandelt ist, sondern eine jede ihre wesentlichen Eigenschaften behält, welche niemals Eigenschaften der andern Natur werden.

3. Die Eigenschaften göttlicher Natur sind: allmächtig, ewig, unendlich, nach Eigenschaft der Natur und ihres natürlichen Wesens, für sich selbst, allenthalben gegenwärtig sein, alles wissen usw., welche der menschlichen Natur Eigenschaften nimmermehr werden.

4. Die Eigenschaften menschlicher Natur sind: ein leiblich Geschöpf oder Kreatur zu sein, Fleisch und Blut sein, endlich und umschrieben sein, leiden, sterben, auf= und niederfahren, von einem Ort zum andern sich bewegen, Hunger, Durst, Frost, Hitze leiden und dergleichen, welche der göttlichen Natur Eigenschaften nimmermehr werden.

5. Nachdem beide Naturen persönlich, das heißt, in einer Person, vereinigt sind, glauben, lehren und bekennen wir, daß diese Vereinigung nicht eine solche Verknüpfung und Verbindung sei, daß keine Natur mit der andern persönlich, das ist, um der persönlichen Vereinigung willen, etwas gemein haben soll; als, wenn einer zwei Bretter zusammnenleimt wären, und keines dem andern etwas gibt oder von dem andern nimmt, sondern hier ist die höchste Gemeinschaft, welche Gott mit dem Menschen wahrhaftig hat, aus welcher persönlichen Vereinigung und der daraus erfolgenden höchsten und unaussprechlichen Gemeinschaft alles herfließt, was menschlich von Gott und göttlich vom Menschen Christo gesagt und geglaubt wird.

6. Daher glauben, lehren und bekennen wir, dass Gott Mensch und Mensch Gott ist, welches nicht sein könnte, wenn die göttliche und menschliche Natur allerdings keine Gemeinschaft in Tat und Wahrheit miteinander hätten.

Denn wie könnte der Mensch, Marien Sohn, Gott oder Gottes des Allerhöchsten Sohn mit Wahrheit genannt werden oder sein, wenn seine Menschheit mit Gottes Sohn nicht persönlich vereinigt und also realiter, das heißt, mit der Tat und Wahrheit, nichts, sondern nur den Namen Gottes mit ihm gemein hätte?

7. Daher glauben, lehren und bekennen wir, das Maria nicht einen bloßen, einfachen Menschen, sondern den wahrhaftigen Sohn Gottes empfangen und geboren habe, deshalb wird sie auch mit Recht die Mutter Gottes genannt und ist es auch wirklich.

8. Daher glauben, lehren und bekennen wir auch, dass nicht ein reiner Mensch für uns gelitten, gestorben, begraben, gen Hölle gefahren, von den Toten erstanden, gen Himmel gefahren und zur Majestät und allmächtigen Kraft Gottes gesetzt ist, sondern ein solcher Mensch, dessen menschliche Natur mit dem Sohn Gottes so eine tiefe, unaussprechliche Vereinigung und Gemeinschaft hat, dass sie mit ihm eine Person ist.

9. Darum hat der Sohn Gottes für uns wirklich gelitten, doch nach Eigenschaft der menschlichen Natur, welche er in Einigkeit seiner göttlichen Person angenommen und und sich zu eigen gemacht hat, dass er leiden und unser Hoherpriester zu unserer Versöhnung mit Gott sein könnte, wie geschrieben steht: „Sie haben den Hern der Herrlichkeit gekreuziget“; und: „Mit Gottes Blut sind wir erlöset worden“, 1 Kor. 2; Act. 20.

10. Daher glauben, lehren und bekennen wir, dass des Menschen Sohn zur Rechten der allmächtigen Majestät und Kraft Gottes realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit, nach der menschlichen Natur erhöht ist, weil er in Gott aufgenommen, als er von dem Heiligen Geist in Mutterleibe empfangen, und seine menschliche Natur mit dem Sohn des Allerhöchsten persönlich Vereinigt worden ist.

11. Welche Majestät er nach der persönlichen Vereinigung allezeit gehabt und sich doch derselben im Stande seiner Erniedrigung entäußert hat. Aus dieser Ursache hat er wahrhaftig an aller Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen zugenommen; darum er solche Majestät nicht allezeit, sondern wann es ihm gefallen, gezeigt hat, bis er die Knechtsgestalt, und nicht die Natur, nach seiner Auferstehung ganz und gar abgelegt und in den völligen Gebrauch, Offenbarung und Erweisung der göttlichen Majestät gesetzt und also in seine Herrlichkeit eingegangen, daß er jetzt nicht allein als Gott, sondern auch als Mensch alles weiß, alles vermag, allen Kreaturen gegenwärtig ist und alles, was im Himmel, auf Erden und unter der Erde ist, unter seinen Füßen und in seinen Händen hat; wie er selbst zeugt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“; und St. Paulus: „Er ist über alle Himmel gefahren, auf daß er alles erfüllete“; welche seine Gewalt er allenthalben gegenwärtig üben kann, und ihm alles möglich und alles wissend ist, Phil. 2; Eph. 4.

12. Daher vermag er auch und ist es ihm ganz leicht, seinen wahrhaftigen Leib und Blut im heiligen Abendmahl gegenwärtig mitzuteilen; nicht nach der Art oder Eigenschaft der menschlichen Natur, sondern nach Art und Eigenschaft göttlicher Rechte, sagt Doktor Luther (im Kleinen Katechismus); welche Gegenwärtigkeit nicht irdisch, noch kapernaitanisch [nach Joh 6,52: mündlich], gleichwohl wahrhaftig und wesentlich ist, wie die Worte seines Testaments lauten: „Das ist, ist, ist mein Leib“ usw.

Durch diese unsere Lehre, Glauben und Bekenntnis wird die Person Christi nicht getrennt, wie Nestorius getan hat (welcher die communicationem idiomatum, das ist, die wahrhaftige Gemeinschaft der Eigenschaften beider Naturen in Christo, geleugnet und also die Person getrennt hat); noch werden die Naturen samt ihren Eigenschaften miteinander in ein Wesen vermischt (wie Eutyches sich geirrt hat); noch die menschliche Natur in der Person Christi verleugnet oder abgetilgt; auch wird keine Natur in die andere verwandelt; sondern Christus ist und bleibt in alle Ewigkeit Gott und Mensch in einer unzertrennten Person; welches nach der heiligen Dreifaltigkeit das höchste Geheimnis ist, wie der Apostel bezeugt (1. Tim. 3), in welchem unser einiger Trost, Leben und Seligkeit steht.

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