Quo Vadis Kirche? – Die Grundpunkte

Von einem freundlichen Leser wurden wir auf diesen Artikel zum Mitgliederschwund in den Kirchen aufmerksam gemacht und gebeten, uns doch vielleicht zur Thematik zu melden.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-evangelische-kirche-sucht-ihre-zukunft-16857800.html

Zusätzlich erreichte uns inzwischen auch ein Link zu diesem guten Artikel von Gerhard Wegner, der jedoch zu keinem Zeitpunkt auf essenzielle Inhalte, auf die raison d’etre der Kirche, von der aus sie geheilt werden könnte, eingeht:

https://zeitzeichen.net/node/8472

Es stellte sich heraus, dass wir dazu gern Einiges sagen wollen. Und das muss derzeit nach und nach geschehen. Hier also ein Anfang.

Es gibt grundsätzlich zwei sinnvoll mögliche Blickwinkel der Betrachtung der Krisis der Kirchen. Der eine ist der geistliche, übernatürliche, der andere der weltliche, nach der Logik und den Dynamiken öffentlicher Institutionen. Überraschenderweise unterscheiden sich diese keineswegs so drastisch, wie man meint, da der Grund der Krise … aber dazu gleich mehr. Dies will ich gern mit mehr Zeit länger ausführen. Wollen die Kirchen zum Beispiel mit der Krise umgehen wie die „New York Nets“ oder wie die „New York Knicks“ (beides Basketballvereine)? Oder, andere Branche: Apple hat mit großem Erfolg Inhalte gesetzt, kommuniziert und eingelöst. Doch hier zuerst der Versuch der knappsten Aussage:

  1. Die Krisis der Kirche ist in erster Linie keine Krise der Form, der Kommunikation, der intergenerativen Weitergabe sondern eine Krise des Inhalts.
  2. Die Kirche als Organisation ist und kann nur die real existierende Tatsächlichkeit einer übernatürlichen Offenbarung und ihrer Rezeption, d.h.: „die Gemeinde der Gläubigen“ sein, derer, die die Offenbarung hören und glauben.
  3. In diesem Sinne steht alle äußere Form der Kirche im Dienst der Inhalte dieser übernatürlichen Offenbarung und wird von ihr normiert.
  4. Als criterion der Kirchen der Reformation, die, laut dem Selbstverständnis der EKD in ihr aufgehen und die sie somit selbst ist, gilt lediglich diejenige übernatürliche Offenbarung, die in der Heiligen Schrift als ihrer Urkunde festgehalten ist (Sola Scriptura).
  5. Es besteht hier also eine wichtige Trennung gegenüber der die Schrift normierenden Offenbarung durch eine Institution einerseits (Selbstverständnis der katholischen Kirche) und der die Schrift normierenden Offenbarung im Subjekt (Selbstverständnis des Charismatismus und des liberalen Christentums) andererseits.
  6. Einziger Lebensinhalt der Kirche unter Punkt 4 und ihre tatsächliche Form ist also das Studium und die Verkündung der eben genannten Offenbarung und die daraus folgenden Lebenszeichen: Predigt und Sakramente und die aus ihnen entstehende und sich um sie sammelnde Gemeinde.
  7. Die Krisis Kirche ist singulär, das heißt, sie ist nicht wie die vielen Krisen, die sie bisher zu bewältigenden hatte.
  8. Sie ist singulär, weil ihr Grund die vollkommene Verwerfung der eigenen Identität der Kirche durch alle Gremien kirchlicher Macht ist und nicht der äußere Angriff gegen diese Identität.
  9. Nicht verworfen wäre diese Identität, wenn durch die genannten Gremien als höchste Notwendigkeit ihres kirchlichen Handelns die schriftgemäße Verkündigung von Gesetz (in allen drei Gebräuchen) und Evangelium (der Vergebung der Sünden durch Christi Werk allein, durch Glauben allein) und die Praxis von Gesetz (das Streben nach einem gottgefälligem Leben) und Evangelium (Praxis von Taufe, Abendmahl und Absolution als tatsächlich Glauben schaffend und Sünde vergebende Wunder) ansehen würde.
  10. Zu jedem Zeitpunkt, da dies nicht der Fall ist, ist die Kirche als Institution tot. Sie mag sich regen, sich bewegen, doch sind dies die den Grab entgegengehenden Bewegungen eines Untoten.
  11. So starb sie überall, wo die Deutschen Christen die Macht gewannen und sie inhaltlich umformten. Lebendig blieb sie außerhalb ihrer Institutionen da, wo die dort verneinte übernatürliche Offenbarung bekannt wurde.
  12. Die Krisis der Kirche verlangt demnach nicht nach Heilung, sondern nach Auferstehung, nicht nach Umdeutung und Umformung sondern nach Umkehr.
  13. Diese Umkehr muss sich radikal inhaltlich gestalten. Die Kirche vertreten kann nur, wer die Inhalte der Kirche teilt.
  14. Dieses Prinzip ist nicht hart oder unrecht sondern universell und spielt sich unter den neuen inhaltlichen Vorzeichen innerhalb der Kirche schon seit Jahrzehnten ab.
  15. Hier ist es auch an jeder Gemeinde und jedem Kirchenbezirk, die eigene inhaltliche Ausrichtung festzulegen und an der historischen, nicht aktuellen, Ausrichtung ihres Kirchenkörpers zu messen.
  16. Zu dieser ursprünglichen Ausrichtung sollte man sich konstitutionell bekennen oder sich einem dem eigenen Bekenntnis konformen Kirchenleib anschließen.
  17. Danach muss die beständige Forderung an die Kirchenleitung ergehen, sich ebenso zur historischen Ausrichtung der eigenen Landeskirche zu bekennen, nur dieser Ausrichtung gemäß theologische Bildung zu betreiben und die vielerorts noch intakte Verpflichtung der Kandidaten auf das kirchliche Bekenntnis einzufordern und deren Einhaltung zu garantieren.
  18. Zumindest muss, wenn das eigene Bekenntnis dem ursprünglichen Bekenntnis des Kirchenleibs entspricht, die Zuteilung diesem Bekenntnis treuer Pfarrer eingefordert werden.
  19. Die Überwindung der Krisis der Kirche liegt demnach darin, nicht das zu tun, was andere besser tun können, nicht das zu sein, was andere naturgemäßer schon sind, sondern darin, wieder zur Alternative zu werden.
  20. Dies ist keine Alternative akzidenteller Art, eine unter vielen, sondern eine essenzielle, ontologische, eine radikale Alternative.
  21. Die Kirche kann kein Lebensaccessoir sein. Und wird all jene, die dieses suchen, verlieren.
  22. Sie ist aber auch nicht zu denen gesandt „die keinen Arzt brauchen“ sondern zu jenen, die an einem gottlosen Leben verzweifeln, jenen, die ersthafte und tiefe Fragen stellen.
  23. Denen, die Fragen stellen, kann sie ihre Antworten geben. Sie kann niemandem Antworten aufdrängen, der keine Fragen hat.
  24. Sie glaubt, Antworten von außerhalb der diesseitigen Dunkelheit zu haben und wenn sie diese bekennt ist sie ein Licht in jenem Dunkel. Wenn sie die übernatürliche Offenbarung jedoch verwirft, so hat sie keine Antworten mehr und wird einer der Herumirrenden und somit überflüssig.
  25. Die Krisis der Kirche besteht darin, dass sie diese, in der Schrift als ihrer Urkunde verwahrte und in den altkirchlichen Bekenntnissen als kleinstem Nenner bekannte Wahrheit in den Gremien ihrer Macht, von den Büros der Kirchenleitungen bis zu den Kanzeln ihrer Kirchen, verworfen hat.
  26. Wenn sie diese nicht wieder annimmt, wird sie vergehen, denn alles, was tot ist kehrt zurück zu der Erde, von der es genommen ist.

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