Kreuz und Weihwasser: Wie ist das mit der Macht des Teufels? – Kontörtchen IX

Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.

Mt 16,18

Es ist ein verbreitetes Filmmotiv: Der Priester versucht, den Teufel oder Dämon mit seinem Kreuz oder mit Weihwasser aufzuhalten, scheitert aber daran und erleidet den qualvollen Tod. Oder: es braucht das richtige ‚Werkzeug‘, nämlich das wahrhaft geweihte Wasser oder das Kreuz aus speziellem Silber, bei Mondesnacht gegossen, und der Böse kann aufgehalten werden. Beides entspricht natürlich nicht der christlichen Überzeugung. Denn natürlich kommt es nicht auf die richtigen „Zutaten“ an, wird doch „ein armer sündiger Mensch vor Gott gerechtfertigt, das ist, absolviert, los und ledig gesprochen von aIlen seinen Sünden und von dem Urteil der wohlverdienten Verdammnis, auch angenommen zur Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens, ohne einig Verdienst oder Würdigkeit, auch ohne aIle vor[her]gehenden, gegenwärtigen oder auch folgenden Werke, aus lauter Gnade, allein um des einigen Verdienstes, des ganzen Gehorsams, bitteren Leidens, Sterbens und Auferstehung unsers Hern Christi willen, dessen Gehorsam uns zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.“ (FC SD III.) Nein, Gott lässt sich nicht durch bestimmte Werkzeuge herbeirufen und der Teufel nicht vertreiben. Aber Gott bleibt eben deshalb auch nicht fern, wenn diese Mittel fehlen. Ein Kreuz dient uns und unserer Andacht. Wir erinnern uns an den Tod Jesu am Kreuz für uns. Und ebenso das Weihwasser: Es erinnert uns an unsere Taufe. Nicht mehr und nicht weniger. Die Kraft liegt nicht in der Wasserschale, sondern in der Taufe selbst. Denn sie „wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißungen Gottes lauten.“ (Kleiner Katechismus)

Und warum? Nicht wegen des Taufwassers als solchem, sondern weil das Taufwasser „Wasser in Gottes Gebot gefaßt und mit Gottes Wort verbunden“ ist (Kleiner Katechismus). Weil Gott sie geboten hat, wirkt die Taufe. Das gilt ebenso für das Abendmahl. Und das gilt für das Wort Gottes selbst, in dem er sich finden lassen will. Aber natürlich nicht, indem man die Bibel wie einen magischen Gegenstand verwendet (auch das kann man im Film sehen), wie eben auch Kreuz oder Weihwasser. Nein, es kommt auf die innere Beziehung zu diesen drei Dingen an: Vertraue ich auf die Zusagen Gottes, erinnere ich mich an seinen Tod für mich? Dann und da finde ich Gott. Dazu brauche ich kein Kreuz, aber es kann mir dabei helfen. Die Frage ist also: Worauf verlasse ich mich? Denn das, woran ich mein Herz hänge, das ist mein Gott. Ist es also das Kreuz, oder ist es Gott?

Kommen wir zum Eingangsbild, zum machtlosen Priester zurück: Was an diesem Motiv stimmt, ist: Vertraut der Mensch auf die Macht der Gegenstände, dann hat der Teufel Gewalt über ihn. Dann kann er Wasser verschütten, so viel er will. Hängt der Mensch aber sein Herz an Gott, dann ist es anders. Denn

Wir glauben, dass die ganze Person [Christi], Gott und Mensch, nach dem Begräbnis zur Hölle gefahren ist, den Teufel überwunden, der Hölle Gewalt zerstört und dem Teufel alle seine Macht genommen hat.

FC SD IX

Wir wissen zwar nicht, wie das zugegangen ist, es soll uns aber auch nicht bekümmern, sagt die Konkordienformel, weil die Vernunft das nicht ergreifen kann. Wichtig ist folgendes: „Dass uns und alle, die an Christus glauben, weder Hölle noch Teufel gefangennehmen noch schaden können.“ (ebd.)

Der Teufel hat keine Macht über uns, denn ein feste Burg ist unser Gott. So einfach. Da muss man nichts erst freibeten, bewässern oder bekreuzigen. Das kann nur helfen, sich daran zu erinnern, dass Jesus am Kreuz bereits gesiegt hat. Die Gemeinde Christi wird nicht von der Hölle überwunden. Zugleich gilt: Wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet. Er kommt nicht zum Licht. Er geht verloren, wird gerichtet (Joh 3). Da ist der Teufel schon da, da braucht es nicht erst grusliges Licht, dunkle Kammern oder fahle Gestalten. „Denn alle Bereitung zur Verdammnis ist vom Teufel und Menschen, durch die Sünde“ und der Sünde Sold ist der Tod. Gott aber will nicht, dass ein Mensch verdammt werde und will nicht den Tod des Sünders. Er „will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße bekehre“ (FC EP XI).

Zu dieser Frage zitiert die Konkordienformel Luthers Predigt von der Höllenfahrt Christi:

„Weil wir nun den Hern Christum begraben haben und gehört, wie er aus diesem Leben geschieden ist, müssen wir ihn auch wieder herausheben und den Ostertag begehen, an welchem er in ein ander, neüs Leben getreten ist, da er nicht mehr sterben kann, und ein Her worden über Tod und alle Kreatur im Himmel und Erden. Welches zeuget auch dieser Artikel, da wir sprechen: ‘Niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten.’

Denn ehe er auferstanden und gen Himmel gefahren ist und noch im Grabe lag, ist er auch hinunter zur Hölle gefahren, auf daß er auch uns, die da sollten darinnen gefangen liegen, daraus erlösete; wie er auch darum in den Tod gekommen und ins Grab gelegt war, daß er die Seinen daraus holete. Ich will aber diesen Artikel nicht hoch und scharf handeln, wie es zugegangen sei, oder was da heiße, zur Hölle fahren, sondern bei dem einfältigsten Verstand bleiben, wie diese Worte lauten, wie man’s Kindern und Einfältigen vorbilden muß. Denn es und wohl viel gewesen, die solches mit Vernunft und fünf Sinnen haben wollen fassen, aber damit nichts getroffen noch erlangt, sondern nur weiter vom Glauben gegangen und abgeführet. Darum ist dies das Allersicherste, wer da will recht fahren und nicht anlaufen, daß er nur bleibe bei den Worten und dieselben ihm einfältiglich einbilde, aufs beste er kann.

Demnach pflegt man’s auch also an die Wände zu malen, wie Christus hinunterfährt, mit einer Chorkappe und mit einer Fahne in der Hand vor die Hölle kommt und damit den Teufel schlägt und verjagt, die Hölle stürmt und die Seinen herausholt. Wie man auch in der Osternacht ein Spiel für die Kinder getrieben hat. Und gefällt mir wohl, daß man’s also den Einfältigen vormalt, spielt, singt oder sagt, und soll’s auch dabei bleiben lassen, daß man nicht viel mit hohen, spitzigen Gedanken sich bekümmere: wie es möge zugegangen sein, weil es ja nicht leiblich geschehen ist, sintemal er die drei Tage ja im Grabe ist geblieben.“

„Denn solch Gemälde zeigt fein die Kraft und Nutz dieses Artikels, darum er geschehen, gepredigt und geglaubt wird, wie Christus der Hölle Gewalt zerstört und dem Teufel alle seine Macht genommen habe. Wenn ich das habe, so habe ich den rechten Kern und Verstand davon und soll nicht weiter fragen noch klügeln, wie es zugegangen oder möglich sei, eben als auch in andern Artikeln solch Klügeln und Meistern der Vernunft verboten ist, und auch nichts erlangen kann.“

„Und ist ohne Zweifel von den alten Vätern so aus uns [ge]kommen, das sie davon geredet und gesungen haben; wie auch noch die alten Lieder klingen und wir am Ostertage singen: ‘Der die Hölle zerbrach und den leidigen Teufel darinne band’ usw. Denn wenn ein Kind oder Einfältiger solches hört, so denkt er nicht anders, denn daß Christus den Teufel habe überwunden und ihm alle seine Gewalt genommen. Das ist recht und christlich gedacht, die rechte Wahrheit und dieses Artikels Meinung getroffen, obwohl nicht nach der Schärfe davon geredet noch so eben ausgedrückt, wie es geschehen ist. Aber was liegt daran, wenn mir’s meinen Glauben nicht verderbet und den rechten Verstand sein klar und helle gibt, den ich davon fassen soll und kann? Und ob ich gleich lange scharf suche, doch nichts mehr davon kann sagen, sondern viel eher den rechten Verstand verliere, wo ich nicht wohl verwahret an dem Wort festhalte.“

„Das rede ich darum, weil ich sehe, daß die Welt jetzt will klug sein, in’s Teufels Namen und in den Artikeln des Glaubens nach ihrem Kopf meistern und alles ausgründen. Also hie, wenn sie hört, daß Christus zur Hölle gefahren ist, fährt sie zu und will’s sobald ausspekulieren, wie es zugegangen sei, und macht viel weitläuftiger, unnützer Fragen: ob die Seele allein hinuntergefahren sei, oder ob die Gottheit bei ihr gewesen sei; item, was er daselbst getan habe, und wie er mit den Teufeln umgegangen sei; und dergleichen viel, davon sie doch nichts wissen kann. Wir aber sollen solche unnötige Fragen lassen fahren und schlecht einfältiglich unser Herz und Gedanken an die Worte des Glaubens heften und binden, welcher sagt: Ich glaube an den Her Christum, Gottes Sohn, gestorben, begraben und zur Hölle gefahren, das ist, an die ganze Person, Gott und Mensch mit Leib und Seele, ungeteilt, von der Jungfrau geboren, gelitten, gestorben und begraben ist; also so ich’s hie auch nicht teilen, sondern glauben und sagen, daß derselbige Christus, Gott und Mensch in einer Person, zur Hölle gefahren, aber nicht darinnen geblieben ist, wie Ps. 16, 10 von ihm sagt: ‘Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, noch zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe.’ Seele aber heißt er nach der Schrift Sprache nicht, wie wir, ein abgesondert Wesen vom Leibe, sondern den ganzen Menschen, wie er sich nennt den Heiligen Gottes.“

„Wie aber solches möge zugegangen sein, daß der Mensch da im Grabe liegt und doch zur Hölle fährt, das sollen und müssen wir wohl unergründet und unverstanden lassen; denn es ist freilich nicht leiblich noch greiflich zugegangen, ob man’s wohl grob und leiblich malen und denken muß und so davon reden durch Gleichnisse. Als, wenn ein starker Held oder Riese in ein fest Schloß käme mit seinem Heer und Panier und Waffen und dasselbige zerstörete und den Feind darinnen finge und bünde usw. Darum sage nur einfältiglich also, wenn man dich fragt von diesem Artikel, wie es zugegangen sei: Das weiß ich wahrlich nicht, werde es auch nicht erdenken noch ausreden können; aber grob kann ich dir’s wohl malen und in ein Bild fassen, von verborgenen Sachen sein klar und deutlich zu reden: daß er ist hingegangen und die Fahne genommen als ein siegender Held und damit die Tore aufgestoßen und unter den Teufeln rumort, daß hie einer zum Fenster, dort einer zum Loche hinausgefallen ist.“

„Das sei nun aufs einfältigste von diesem Artikel geredet, daß man an den Worten halte und bei diesem Hauptstücke bleibe, daß uns durch Christum die Hölle zerrissen und des Teufels Reich und Gewalt gar zerstört ist, um welches willen er gestorben, begraben und hinuntergefahren ist, daß sie uns nicht mehr soll schaden noch überwältigen, wie er Matth. 16, 18 selbst sagt.“

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