Sakramentsersatz, die Erste – ist das Übergabegebet eigentlich überhaupt biblisch?

Es ist vielleicht einigen hier bekannt, das sogenannte Übergabegebet oder im englischen Original „sinner’s prayer“. Zumeist betet man es nach einem Altarruf, d.h. während einer missionarischen Veranstaltung wird man aufgerufen, öffentlich sein Leben Jesus zu übergeben, man geht vor, betet das Gebet und ist gerettet. Lutheraner stutzen jedoch zuerst einmal, denn komischerweise kommt dieses zentrale liturgische und soteriologische (heilsrelevante) Element nicht in den Bekenntnisschriften vor. Irgendwie reden die bei diesem Punkt lediglich immer wieder von Taufe.

Aber, um Herrn von Harless zu zitieren, der wirklich Ahnung hatte: „Es wäre mit dem Lutheraner übel bestellt, wenn bei dieser Frage Lutherthum und Christenthum auseinanderfielen.“ Also wollen wir die Frage noch tiefergehend stellen: Kann das sog. „Übergabegebet“ aus der Bibel begründet werden? Da es ja hier um die Soteriologie geht, sollte das ganz klar der Fall sein. Wer sich für die kirchengeschichtliche Seite interessiert, dem sei hier zum Einstieg Wikipedia empfohlen. Die frühesten Datierungen gehen vom 16. Jahrhundert aus, folgende amerikanische Doktorarbeit [1] verortet den Ursprung im frühen 20. Jahrhundert.

Nun also hinein in den Text. Es werden üblicherweise Römer 10,13 und Offenbarung 3,20 als Belege für diese Praxis angebracht: „denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden“ und „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ Wir werden sie am Ende noch einmal im Kontext betrachten, umwerfend ist das aber nicht.

Eine entsprechende direkte Rede Christi oder zumindest Beispiele von Bekehrungen, die in der Form eines Übergabegebets verlaufen sind, wären weit besser. Bezüglich einer direkten Rede Jesu ist das, was dem am nächsten kommt Markus 16,16: „Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. [2] Der Glaube wird natürlich erwähnt, aber wenig spezifisch. „Wer mich mit dem Munde bekennt und mit dem Herzen glaubt“ wäre ein eindeutiger Hinweis. Stattdessen wieder dieses komische Taufding. Beispiele eines tatsächlich stattfindenden Übergabegebets gibt es in der Bibel nicht, Bekehrungen jedoch schon. Schauen wir uns ein paar Beispiele an:

Apostelgeschichte 8,35-39: Der äthiopische Kämmerer:

Der Kämmerer aber antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dieses? Von sich selbst oder von einem anderen? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus. Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als auch der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, denn er zog seinen Weg mit Freuden.[3]

Ignorieren müssen wir hier die sich zeigende wunderbare nationenübergreifende Natur des Christentums, um ersteinmal beim Thema zu bleiben. Hier haben wir nun eindeutig eine Situation des „Evangelisierens“. Philippus verkündigt, wohlgemerkt ausgehend von einem prophetischen Text des AT, das Evangelium von Jesus Christus. Nun sollte es doch in etwa so weitergehen: „Der Kämmerer sprach: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“ Da antwortete ihm Philippus: „Knie nieder und bekenne mit Deinem Mund und von ganzem Herzen, dass Jesus Christus Dein Herr und Meister sei. Dann wirst Du gerettet werden“. Aber nein, es ist hier ganz eindeutig: das Ziel, auf das die Verkündigung des Philippus hinzielte war die Taufe, die Taufe als Zentrum des persönlichen Heilsgeschehens. Man hört die Freude, die Aufregung des Kämmerers: „Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?“

Apostelgeschichte 10, 44-48 – Der Hauptmann Cornelius

„Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? Und er befahl, dass sie getauft würden im Namen Jesu Christi. Dann baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.“

Auch beim römischen Hauptmann muss für diesen Beitrag das herkunftsunabhängige Wesen der guten Botschaft (leider) zur Seite treten. Vollkommen ohne mündliche Glaubensbezeugung fällt hier der Heilige Geist zugleich mit dem Glauben, den er in den Hörern bewirkt auch in Wunderzeichen auf die Hörer des Wortes. Und wieder ist das Siegel und Zeichen dieses Glaubens und der damit zusammenhängenden Erlösung … ein gesprochenes Bekenntnis zu Christus … nein ach halt! Die Taufe.

Apostelgeschichte 16, 30-33: Der Kerkermeister

Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus. Und sie redeten das Wort des Herrn zu ihm samt allen, die in seinem Haus waren. Und er nahm sie in jener Stunde der Nacht zu sich und wusch ihnen die Striemen ab; und er ließ sich taufen und alle die Seinen sogleich.

Was muss ich tun um gerettet zu werden? Wir erinnern an Markus: Wer an mich glaubt und getauft wird. Dem durch die Verkündigung, durch das Wort gewirkten Glauben folgt „sogleich“ die Taufe. Und dabei schrie doch die Frage so danach, mit einem „Du musst Dein Leben Jesus übergeben“ beantwortet zu werden.

Bezüglich der beiden sogenannten Belegstellen „Denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden“ und „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir.“ sei hier nur gesagt, dass sich die erste innerhalb eines großen Arguments für die Erlösung allein aus Glauben befindet, und ein Zitat aus dem Propheten Joel in einer Reihe von Zitaten, die diesen Punkt unterstützen sollen, ist und das zweite sich an eine Gemeinde, Laodizea nämlich richtet, eine Gemeinde von bereits gläubigen und getauften Christen. Die eben gebrachten Beispiele beziehen sich also viel direkter auf unsere Fragestellung. Und mit ihnen muss festgehalten werden: Biblisch gesehen wird der Glaube im Menschen durch die Verkündung des Wortes gewirkt. Dieser Glaube rettet und ihm folgt – als Zueignung und Versiegelung der Rettung, als fassbares, unverrückbares Geschenk des Heils – die Taufe. Wir sind nicht gerettet, weil wir uns daran erinnern unser Leben einmal in einem Gebet an Jesus übergeben zu haben. Wir sind gerettet, wir sind sein und er ist unser, weil wir „glauben und getauft sind“.

Wie konnte sich, entgegen des biblischen Zeugnisses, nun so eine Praxis wie das Übergabegebet entwickeln? Über Charles Grandison Finney, seine sehr schwierige Theologie und seine „neuen Mittel“ müssen wir wohl nochmal ausführlicher schreiben. Mir scheint es aber eindeutig, dass, wenn man die Sakramente – hier spezifisch die Taufe – als nicht verstandesgemäß verwirft, man ein Vakuum schafft, das danach drängt wieder gefüllt zu werden. Und so entwickelte sich, zusammen mit der Überzeugung, man selbst sei für seine Rettung verantwortlich (indem man „Ja“ zu ihr sagt – sowas von keine klassische christliche Position), das Ersatzsakrament der Worte, mit denen man sich Jesus übergibt. Wer mal versucht einem, der laienhaft an die Sache rangeht, zu erklären, warum er danach noch irgendwie die Taufe braucht, wird sehen, dass ihre Notwendigkeit hier nicht mehr vorhanden ist. Doch meine Worte, mein Glaube, sie können kein tragendes Fundament für den Glauben sein. Jesu‘ Versprechen ist es: „Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden“.

[1] Wir stimmen natürlich nicht mit allem in dieser Arbeit überein (*The Southern Baptist Theological Seminary*).

[2] Darby, J. N., von Poseck, J. A., & Brockhaus, C. (1905). Elberfelder Bibel 1905 (Mk 16,16). Elberfeld: R. Brockhaus.

[3] Darby, J. N., von Poseck, J. A., & Brockhaus, C. (1905). Elberfelder Bibel 1905 (Apg 8,34). Elberfeld: R. Brockhaus.

13 thoughts on “Sakramentsersatz, die Erste – ist das Übergabegebet eigentlich überhaupt biblisch?

  1. Schandor

    Ein guter Beitrag, wie ich finde.
    Es ist eben so: Jeder versteht das so, wie er das eben versteht, und jeder versteht es eben anders.
    Die Reformierten so, die Lutheraner anders, wieder anders die Baptisten, und wieder anders gewisse Freikirchen und Sondergemeinschaften.
    Was soll man machen? Was soll man denn überhaupt glauben? Soll man Jakobus glauben, bei dem Werke für den Glauben nötig sind? Oder doch Paulus, der Jakobus diametral widerspricht? Was ist überhaupt Glaube – eine mentale Disposition? Und wenn nicht, was ist Glaube dann?
    Übrigens unterschlägt Deine Übersetzung beim „Kämmerer“ aus Äthiopien was. In Wahrheit fragt Philippus nämlich zurück: Wenn du wirklich glaubst, kann es geschehen – Philippus macht den Glauben zur Voraussetzung für die Taufe. (Ich weiß, man folgt heute lieber dem Stückelwerk derer, die das neue Neue Testament ab 1881 neu zusammengefriemelt haben). Philippus macht ihn zur Voraussetzung, andere nicht. Das sollte man wenigstens erwähnen.
    Nun ja, das mal beiseite gelassen:
    Wenn das, was Du hier schreibst, wirklich stimmt (was ich hoffe), dann haben wir ein Evangelium.
    Wenn die Finney-Theologie recht haben sollte (und mit ihr viele Sondergemeinschaften und Freikirchen), haben wir keines, denn dann ist der Mensch wieder auf sich zurückgeworfen und hat sein Heil nicht in Furcht und Zittern „bewirkt“, sondern mit einem Ja-Wort besiegelt.
    Finneys Übergabegebet kennt (soweit ich weiß, etwas später noch) eine Steigerung: die Lebensübergabe.
    Dein Beitrag ist zwar wirklich sehr schön, aber Du hast es Dir sehr, sehr einfach gemacht, wie ich finde.

    • A. Schneider

      Lieber Schandor,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Schön, dass die alexandrische Textfamilie, die älteren vorhandenen Kopien also, in diesem Punkt für uns sprechen. Somit gibt es natürlich keinerlei Begründung zu behaupten, dass Philippus „In Wahrheit“ zurückgefragt hätte. Vielmehr gibt es zwischen beiden Varianten gar kein Problem, denn, dass der Kämmerer die Taufe empfangen möchte IST GLEICHBEDEUTEND damit, dass er glaubt. Und sehr einfach mache iches mir nun wirklich nicht! Ist es nicht vielmehr „einfach“ alle Bekehrungsüberlieferungen de APG nichtmal für die Überprüfung der eigenen Bekehrungsüberzeugungen heranzuziehen, sondern bloß zwei sekundäre Stellen aus dem Kontext herauszureißen. Wenn Du es weniger einfach möchtest, dass lege ich Dir den langen Abschnitt zu Bekehrung und zur Ordo Salutis in Luthardt’s „Kompendium der Dogmatik“ ans Herz. Das findest du bei Google Books gleich mehrfach. Nochmal die Lutherischen Grundlagen ganz simpel: Der Glaube rettet. Die Taufe auch. Der Glaube ohne die Taufe rettet. Die Taufe ohne den Glauben nicht. Und: Die Taufe hat Christus selbst eingesetzt und geboten. Sie ist das Zeichen und die Verwirklichung dessen, was wir im Glauben fassen. Sie ist der für uns so nötige und durch Gott in seiner Gnade gegebene, uns AUßENSTEHENDE Grund unserer Erettung. Das mündliche Bezeugniss des Glaubens ist nie von Christus in dieser Form eingesetzt worden. Wohl aber arbeitet Paulus eben in Römer 13 genau heraus, dass der Glaube des Herzens und das Zeugnis des Mundes STÄNDIGE Begleiter des Christen sind. Nicht nur einmal, sondern immer.

  2. Stephan

    Vom Schächer am Kreuz lernen wir, dass die Taufe nicht heilsnotwendig ist. Sie ist aber auch nicht heilsbringend, aber sie ist die „Antwort“ des glaubenden (!) Menschen.
    Jesus hat die Taufe eingesetzt (in Form ritueller Waschungen / Reinigung / Heiligung gab es Abschattungen der Taufe schon zu Zeiten des AT), die Taufe ist eine Art von Gehorsamsantwort des Menschen, gleichermaßen aber auch ein Zeugnis vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt.
    In einigen Fällen hat Jesus bei Wunderheilungen Auflagen ausgesprochen, z.B. bei dem Blinden, der seine Augen waschen soll. Also: Jesus schafft alle Voraussetzungen zur Heilung, aber der Betroffene muß manchmal noch reagieren – und kann es sich auf dem Weg zum Teich zur Augenwaschung nochmals überlegen, ob der Weg Sinn macht, ob er genug Vertrauen in die Worte Jesu setzt. So sehe ich es mit der Taufe – auch wenn ich sie nicht für unbedingt heilsnotwendig halte, so ist sie eine von Jesus ausgesprochene Anweisung. Und der komme ich nach – auch, wenn ich sie nicht verstehe, auch wenn ich sie nicht für heilsnotwendig halte.
    Was ich biblisch nicht begründet sehe: Kindertaufe, und ein Übergabegebet.

    • A. Schneider

      Lieber Stephan,

      Ok, dann siehst Du das so. Groß in Kommentaren werden wir (mind) 500 Jahre alte Meinungsverschienenheiten nicht austragen. Wenn sie Dich interessiert: Unsere Taufansicht ist noch nicht so im Blog ausgeweitet worden, aber hier kannst Du schonmal kucken. Und im kleinen und großen Katechismus natürlich. Zu Kindertaufe schreiben wir bei Gelegenheit, historisch frühkirchlich hat Joachim Jeremias aber schon alles gesagt. Leider ist seine letzte Antwort auf Aland bisher vergriffen. Und der Schächer, wo spricht der gleich von Taufe?! Er zeigt lediglich, dass der Glaube auch ohne Taufe rettet. Und, nur mal so, er hat direkt von Christus wörtlich und hörbar das Versprechen mit ihm im himmelreich zu sein gehabt. a) Das ist bei keinem von uns so b) Das ist übrigens ein gutes Bild für die Taufe.

  3. Stephan

    Ja, hier werden wir uns nicht über die Kindertaufe einig werden, und darüber müssen wir auch nicht streiten, und beim Rest liegen wir näher zusammen, als es vielleicht auf den ersten Blick aussieht. Ich bin leider kein guter Formulierer. Beim Schächer habe ich wenig geschrieben, denn ich dachte, es wäre klar. Tatsächlich sehen wir beide das ja auch gleich, er spricht nicht über Taufe, bekommt aber aufgrund des Glaubens Heilsgewissheit zugesprochen.
    An dieser Stelle möchte ich einhaken: das Versprechen, mit Jesus im Himmelreich zu sein, haben wir auch. Nicht direkt hörbar durch Jesus, aber durch die Schrift. Und der Heilige Geist bezeugt uns Heilsgewissheit. Und damit hängt Jesus doch wieder mit drin 🙂
    Dir vielen Dank für die Webseite und die Arbeit – ich lese sie ja nicht, um zu kritisieren, sondern um noch was zu lernen.

    • studiosus theologicus

      Natürlich darfst du (auch) kritisieren bzw. abweichende Meinungen äußern. Weder haben wir den Stein der Weisen, noch sind wir unfehlbare Lehrer ;-).
      Allerdings haben wir möglicherweise andere Ansichten, welche wir natürlich versuchen werden, gut zu begründen. Deshalb noch mal zur Sache: Du hattest geschrieben:

      „Vom Schächer am Kreuz lernen wir, dass die Taufe nicht heilsnotwendig ist. Sie ist aber auch nicht heilsbringend, aber sie ist die „Antwort“ des glaubenden (!) Menschen.
      Jesus hat die Taufe eingesetzt […], die Taufe ist eine Art von Gehorsamsantwort des Menschen, gleichermaßen aber auch ein Zeugnis vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt.“

      Und da meinen wir, sagt das biblische Zeugnis etwas anderes. So ist der Missionsauftrag ein Taufauftrag der Kirche, nicht ein Antwortauftrag an den Missionierten. Taufen verstehen wir (mit dem kl. Katechismus, vgl. dort auch die Schriftstellen) als ein passives Geschehen: Ich werde getauft, ich taufe mich nicht.

      „das Versprechen, mit Jesus im Himmelreich zu sein, haben wir auch. Nicht direkt hörbar durch Jesus, aber durch die Schrift.“

      Die Schrift koppelt aber eben Glaube und Taufe. Und macht damit die Taufe ganz notwendig. Wiewohl sie natürlich nicht sagt, dass Gott nicht ohne Taufe retten kann, sie sagt aber, dass Gott mit der Taufe retten will. Vgl. hierzu wieder den Kl. Katechismus.

    • A. Schneider

      Lieber Stephan,

      ich war wohl etwas kurz angebunden gestern. Vielen Dank für Deinen Dank und: Gern geschehen! Ich hoffe, wir schreiben ab und zu für Dich lehrsames. Wollte nicht sagen, wir hätten das Versprechen nicht! Da hast Du ganz recht. Nur auf den Unterschied der körperlich-mündlichen Direktzusage hinweisen, der Schächer hat schon eine besondere Stellung in der Menschheitsgeschichte. Auch wieder etwas knapp und auf dem Sprung. Dir alles Gute und weiterhin viel Spass beim Lärmenlesen 😉

  4. Schandor

    Der alexandrinische Textstrom ist a) nicht der älteste, dafür b) der verdorbenste. Philippus hat tatsächlich in Wahrheit zurückgefragt: Wenn Du von Herzen glaubst, kann es geschehen. Die verderbten Texte haben hier geschludert. Aber machen wir den Topf nicht auf.
    Die Sache ist mir über lange Jahre klargeworden. Aber zum Thema zurück.

    Was das Übrige betrifft, glaube ich, kann ich immer stärker und besser auf diese Linie einschwenken. Deine Argumente sind gut. Zur Ordo Salutis hat Otto Weber für mich zwar nicht das letzte Wort, aber Einleuchtendes gesagt.
    Was Dein eigentliches Argument betrifft, pflichte ich Dir bei – Deine Argumente überzeugen mich.
    Die Lutheraner haben eben als einzige Konfession wirklich eine frohe Botschaft. Das muss ich sagen.
    Allerdings muss ich unentwegt Lutheraner lesen, denn in der Bibel könnte ich das alles so nicht finden.
    Gut, dass Luther 1531 seinen Galaterkommentar geschrieben hat.

    Was ich allerdings nicht verstehe, ist das Wesen der Taufe (hier sagt Otto Weber, wir können das nicht verstehen).
    Weiß heißt oder bedeutet der „außenstehende Grund“? Was soll man sich hierunter denken? Dahinter verbirgt sich keine rhetorische Frage, sondern das kann ich nicht fassen, obwohl ich es so gerne fassen könnte.

  5. Frederik

    Liebe Autoren von lutherischeslärmen,
    ich genieße die Lektüre eures Blogs sehr und kann hier, dem im Studium geweckten Interesse und der Freude an reformatorischer Theologie, in der lutherischen Ausprägung voll und ganz nachgehen. Habt herzlichen Dank für eure Arbeit und auch für manche Literaturhinweise.
    In den Hauptlinien kann ich dem Artikel folgen und stimme grundsätzlich zu, allerdings scheint mir doch, dass Röm 10 (nicht speziell Vers 13, aber vorher) doch eher von einem „Übergabegebet“ spricht:
    „6 Die Gerechtigkeit aber, die aus dem Glauben kommt, spricht so: Sag nicht in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? – nämlich um Christus herabzuholen. 7 Oder: Wer wird in die Unterwelt hinabsteigen? – nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen. 8 Sondern was sagt sie? Nahe ist dir das Wort, in deinem Mund und in deinem Herzen, nämlich das Wort des Glaubens, das wir verkündigen. 9 Denn wenn du mit deinem Mund bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, wirst du gerettet werden. 10 Mit dem Herzen nämlich glaubt man, auf Gerechtigkeit hin; mit dem Mund bekennt man, auf Rettung hin. 11 Denn die Schrift sagt: Keiner, der auf ihn vertraut, wird blossgestellt werden. 12 Es ist ja kein Unterschied zwischen Juden und Griechen, denn sie haben alle ein und denselben Herrn, der alle reich macht, die ihn anrufen. 13 Denn: Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“
    Vor allem Vers 9f spricht nicht von Taufe. Nehme ich dazu (klassischer Weise) noch 1Kor 12,3, dann liegt es Nahe, hieraus ein Übergabegebet abzuleiten oder zumindest ein öffentliches Bekenntnis als äußeres Zeichen, der innerlich wirkenden Gnade und des geschenkten Glaubens. Hier verstehe ich auch die im Text angeführte Begründung nicht: „Bezüglich der beiden sogenannten Belegstellen „Denn jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden“ und […] sei hier nur gesagt, dass sich die erste innerhalb eines großen Arguments für die Erlösung allein aus Glauben befindet, und ein Zitat aus dem Propheten Joel in einer Reihe von Zitaten, die diesen Punkt unterstützen sollen“ –> Wie kommt ihr zu dieser Aussage. Das kann ich nicht nachvollziehen.
    Für klärende Rückmeldungen wäre ich sehr dankbar
    herzliche Grüße

    • A. Schneider

      Lieber Frederik,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Es freut uns sehr, dass unser Blog Dir Genuß bereitet. Das tut gut, zu hören! Ich kann Deinen Eindruck gut nachvollziehen und habe mir vorgenommen, baldmöglichst noch genauer auf die beiden Belegstellen, oder zumindest auf die Römerstelle, in einem Nachfolgeartikel einzugehen. Trotzdem noch kurz: 1) Ein Hauptargument ist, dass die Römerstelle nicht die primärste Art von Text zu der Frage ist, sondern eben a) ausdrückliche Rede Jesu oder b) Beschreibungen tatsächlicher Bekehrungen einer solchen, das Thema in einem größeren Zusammenhang nur streifenden Stelle, in der Exegese übergeordnet sind. 2) Der noch weiter Kontext der Römerstelle ist ja, wenn ich mich recht erinnere, die Erörterung der Frage nach der Gottesbeziehung bzw. dem Status des Volks Israel im Lichte des Faktums Jesus. Und damit eben die Frage: Zugehörigkeit durch Geburt und wenn nicht, durch was? Und ich würde sagen, dass sich die Stelle auf das ganze Leben des Christen bezieht und nicht nur auf den Moment der Errettung. Aber dazu, wie gesagt, hoffentlich bald mehr.

      Beste Grüße,

      Alexander

    • A. Schneider

      Frederik, hey! Endlich hatte ich Gelegenheit Deine Frage zu beantworten, jedenfalls spezifisch bezüglich des Römertextes. Hier ist er zu finden: http://lutherischeslaermen.de/2018/05/19/herr-von-tarsus-sie-predigen-im-roemerbrief-das-uebergabegebet-ich-predige-was/

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