Von der Melancholey eines Schwermütigen, der seines Trauerns keine eigentliche Ursache weiß – August Pfeiffer

August Pfeiffer, u.a. Schüler von Abraham Calov, veröffentlichte 1684 seinen Antimelancholicus, ein, wie wir schon sagten, phantastisches Werk der Trostliteratur. Alle Themenbereiche beginnen mit einer Klage des jeweiligen Melancholicus. Hier haben wir ein kurzes Beispiel für die Genauigkeit, Aktualität und hohe Einfühlsamkeit seines Schreibens gewählt.

Ich kanns keinem Menschen sagen und will doch vor Angst verzagen

Der Melancholicus klagt seinen Kummer:

Ein Kranker, der seinen Affect und Gebrechen weiß kann einen Arzt, ein Betrübter der sein Leyden weiß kann einen Tröster suchen; allein wen soll ich suchen indem ich von Hertzen betrübt bin und weiß doch meines Trauerns keine Ursach anzuzeigen! Ich weiß keine Krankheit des Leibes zu nennen und dennoch bin ich nicht gesund: Das Herz stecket gleichsam in einer Presse, es klopft und zappelt ängstiglich, es vergeht mir die Lust zu Essen und zu Trinken, der Schlaf und die Nachtruh wird verstöret, das Haupt ist mir wüste, das Gesicht wird ungestalt, der Leib wird matt und ich weiß nicht woher? Es fehlt mir Gott Lob nicht an nötigem Auskommen allein ich kann mich über nichts erfreuen und mir bringt nichts vergnügen. Bin gleich einem Wandersmann der zwar durch eine lustige Gegend reiset aber mit einem dicken Nebel umgeben ist also dass er keine Freude davon empfinden kann: Also umnebelt mein Herz die Traurigkeit und lässt keine Freude hinein.

August Pfeiffer, a student of Abraham Calov, published his Antimelancholicus I. 1684. As we mentioned before a phantastisches work of orthodox Lutheran comfort literatur. Each topic starts with a lament by the specific Melancholicus in question. We have chosen a brief except to show the beauty and empathy of his writing as well as the fact that there seems little distance to our experience of depression, despite the distance of a few centuries.

Of the melancholy of one who’s mood is heavy but who knows no reason for his grief.

The melancholicus’ lament:

Unto no man I dare discover it
And yet brute fear near driveth out my wit!

A sick man, who knows his affect and his complaint may seek a medicus, a sad man who knows the source of his woe can seek a comforter but whom shall I seek, who is grieved to the very heart and yet knows no reason for his grief! I cannot name an infliction of my body and yet I am not whole: it is as if my heart were in a press, it beats and flutters fearfully, I have no desire for food and drink, my sleep and nightly rest are much disturbed, my head is wild, my face unseemly, my body weak and I know not why? Thank God I lack not the daily stuff of life and yet I can enjoy nothing and nothing can please me. I am like a wanderer who travels in a pleasant country but is enclosed by a thick fog so that he can receive no joy from his surroundings. Thus also sadness is a fog around my heart and keeps all happiness out.

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